NUWiss-Kommentar zur geplanten Abschaffung des §109 UG: Eine große Chance mit offenen Fragen

Die Abschaffung des §109 UG stellt seit Beginn unserer Arbeit eine Kernforderung von NUWiss dar. Wir sehen es als klaren Erfolg unserer jahrelangen Bemühungen für die Entprekarisierung von Arbeitsverhältnissen von (insbesondere jüngeren) Wissenschaftler:innen, dass das Ministerium sich dieses Themas annimmt und wir freuen uns, dass die derzeit bekannten Reformpläne zu großen Teilen auch auf unsere Forderungen und Vorschläge zurückgehen. 

Gleichzeitig muss betont werden, dass auch hier der Teufel im Detail steckt und viele Fragen nach wie vor offen sind, wie wir schon in einer ersten Stellungnahme zu den Plänen ausgeführt haben.

Als NUWiss begrüßen wir daher die geplante Abschaffung des §109, solange dabei sichergestellt wird, dass:

  • die Änderungen tatsächlich zu einer größeren Zahl unbefristeter Anstellungen führen;
  • es klare, transparente Karriereperspektiven statt Anstellungssackgassen gibt (siehe dazu auch unser Vorschläge für diversifizierte Karrieremodelle);
  • gleichzeitig (!) die Demokratisierung universitärer Strukturen gestärkt wird und ein transparentes und enthierarchisiertes Faculty-Modell nach skandinavischen Vorbildern anstelle des Kuriensystems eingeführt wird, um damit auch die Generationengerechtigkeit zu stärken;
  • die strukturelle Unterscheidung zwischen Drittmittelangestellten und Globalbudgetstellen abgebaut wird.

O-Töne aus dem NUWiss-Team:

Was wir fordern ist ganz einfach eine Erhöhung von „normalen Arbeitsverhältnissen“ ohne sich immer wiederholende Dauerbefristungen. Es geht hier nicht um unkündbare lebenslange Stellen (wie sie manche mit Blick auf die alten pragmatisierten Beamtenstellen befürchten), sondern einfach um ganz normale Verträge, wie sie über 90% aller Angestellten in Österreich auch haben

Wir fordern Personalstrukturpläne auch für Post-Docs. Es ist doch sonderbar, dass es solche Pläne selbst für 6-Jahres-Post-Doc Stellen nicht gibt. Da geht es immerhin um mehr als eine halbe Million Steuergeld!

Perspektiven statt dead ends: “Es geht hier ganz einfach auch um Transparenz: Nicht um die Entfristung aller Arbeitsverhältnisse, sondern um transparente Karriereperspektiven statt immer neuer, für alle frustrierende Anstellungssackgassen.

Mit der Abschaffung des 109er kann ein Kulturwandel hin zu einer verantwortungsvollen Personalpolitik eingeleitet werden. Uni-, Instituts- und Forschungsgruppenleitungen müssen in wesentlich höherem Ausmaß als bisher Führungsverantwortungen wahrnehmen. “Management durch Befristung” muss durch transparente und gemeinsame Karriereplanung ersetzt werden.

Natürlich sollten für alle Stellen Inhalte, Anforderungen und Kriterien für die Stelleninhaber:innen festgelegt werden. Diese müssen demokratisch und transparent entwickelt und unter Einbindung der Personalvertretungen evaluiert werden.

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